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5. Siwan 5771 -  7. Juni 2011

Erste Jahrzeit von Herrn Mietek Pemper זצ”ל

ein denkwürdiger Tag für uns alle, die wir ihn lieben

wir wollen sein Andenken bewahren und mit großer Dankbarkeit

sein Vermächtnis von Toleranz, Aufklärung und Menschlichkeit

weitertragen

 

 

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“Gedicht einer behinderten Frau”


Zum Nachdenken

von Tanja Muster

 

 

Im Fernsehen

wieder

Diskussion

ob ich es wert wäre

zu leben.

Eugenik,

vorgeburtliche Diagnostik,

Euthanasie.

Und ich denke mir,

mit 15 wäre ich

gestorben ohne medizinischen Fortschritt.

Vor 60 Jahren wäre ich

vergast worden aufgrund des ideologischen Fortschritts.

In ein paar Jahren würde ich wegen beiden nicht geboren werden.

Wie soll ich leben

mit der Vergangenheit

in Zukunft?

 

Quelle: Nicklas-Faust, J. (2002): Die medizinische Versorgung von Menschen mit

schwerer Behinderung in Deutschland. In: Bundesvereinigung Lebenshilfe für

Menschen mit geistiger Behinderung e.V. (Hg.): Eine behinderte Medizin?! Marburg:

Lebenshilfe-Verlag, 33

 

 

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Was ist eigentlich INKLUSION?

 

 

 

 

 

 

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Schema der Entwicklungsstufen schulischer Integration

Die inklusive Pädagogik ist ein Ansatz der Pädagogik, dessen wesentliches Prinzip die Wertschätzung der Diversität (Vielfalt) in der Bildung und Erziehung ist. Befürworter der Inklusion betrachten die Heterogenität als eine Gegebenheit, die die Normalität darstellt. Sie plädieren dafür, dass jede Schule die Bildungs- und Erziehungsbedürfnisse aller Schüler zu befriedigen hat und gehen davon aus, dass dies auch möglich ist.

Inhaltsverzeichnis

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Definition

Im „Handlexikon der Behindertenpädagogik“ definiert Andreas Hinz den Ansatz der Inklusion als

„…allgemeinpädagogische[n] Ansatz, der auf der Basis von Bürgerrechten argumentiert, sich gegen jede gesellschaftliche Marginalisierung wendet und somit allen Menschen das gleiche volle Recht auf individuelle Entwicklung und soziale Teilhabe ungeachtet ihrer persönlichen Unterstützungsbedürfnisse zugesichert sehen will. Für den Bildungsbereich bedeutet dies einen uneingeschränkten Zugang und die unbedingte Zugehörigkeit zu allgemeinen Kindergärten und Schulen des sozialen Umfeldes, die vor der Aufgabe stehen, den individuellen Bedürfnissen aller zu entsprechen – und damit wird dem Verständnis der Inklusion entsprechend jeder Mensch als selbstverständliches Mitglied der Gemeinschaft anerkannt.“[1]

Für die Vertreter des Inklusionskonzeptes gibt es keine zwei Gruppen von Schülern und Schülerinnen, sondern nur eine Schülergesamtheit, deren Mitglieder unterschiedliche Bedürfnisse haben. Viele Bedürfnisse werden von der Mehrheit geteilt und bilden die gemeinsamen Erziehungs- und Bildungsbedürfnisse. Alle Schüler haben nach dieser Auffassung darüber hinaus individuelle Bedürfnisse, darunter auch solche, für deren Befriedigung die Bereitstellung spezieller Mittel und Methoden sinnvoll sein kann. Die Vertreter der Inklusionspädagogik halten den Besuch einer wohnortnahen allgemeinen Schule und die Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse aller für Menschenrechte und fordern, dass die Schule den Bedürfnissen ihrer Schülergesamtheit gewachsen sein soll. Es soll nach ihrer Auffassung eine Schule für alle konzipiert werden, aus der kein Kind ausgeschlossen wird, weil es den Anforderungen der Schule nicht entsprechen kann.[2]

Abgrenzung von der Integrationspädagogik

Gemeinsamkeiten

Sowohl die Integrationspädagogik als auch die Inklusionspädagogik gehen davon aus, dass in vielen Ländern, auch in solchen ohne gegliedertes Schulsystem, Schüler mit Behinderungen vom Besuch allgemeiner Schulen ausgeschlossen würden. Erst recht geschehe dies in Ländern wie Deutschland, in denen in einem gegliederten Schulsystem ab der Sekundarstufe auch Schüler ohne Behinderungen verschiedenen Schulen zugewiesen würden. Nur eine gemeinsame Schule für alle Kinder und Jugendlichen könne diesen Verhältnissen entgegenwirken. Sowohl Anhänger der Integration als auch solche der Inklusion treten für das Recht aller Schüler ein, unabhängig von ihren Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen sowie ihrer ethnischen, kulturellen oder sozialen Herkunft gemeinsam unterrichtet zu werden.

Unterschiede

Trotz der Gemeinsamkeiten und obwohl sich die inklusive Pädagogik aus der integrativen Pädagogik entwickelt, weisen Integrations- und Inklusionspädagogik begriffliche und konzeptionelle Unterschiede auf.

Entgegen der Intention der Integrationspädagogik, hat sich jedoch in der gemeinsamen Schule von behinderten und nichtbehinderten Kindern die deutliche Unterscheidung von Kindern „mit sonderpädagogischem Förderbedarf“ und die „ohne sonderpädagogischen Förderbedarf“ etabliert. Obwohl dieses Phänomen auch innerhalb der Integrationspädagogik kritisiert wurde, unterscheiden sich beide im Umgang mit diesem.

Für Susanne Abram

„unterscheidet sich der Begriff der Integration vom Begriff der Inklusion insofern, als dass es bei der Integration von Menschen immer noch darum geht, Unterschiede wahrzunehmen und zuerst Getrenntes wieder zu vereinen. Inklusion hingegen versteht sich in Bezug auf Schule als ein Konzept, das davon ausgeht, dass alle Schüler mit ihrer Vielfalt an Kompetenzen und Niveaus aktiv am Unterricht teilnehmen. Alle Schüler erleben und nehmen Gemeinschaft wahr, in der jeder/jede Einzelne seinen/ihren sicheren Platz hat und somit eine Teilnahme für alle Schüler am Unterricht möglich ist.“[3]

Walter Krög weist auch auf den Unterschied zwischen beiden Konzepten hin und betont, dass die Inklusion darüber hinausgeht:

„Ist mit Integration die Eingliederung von bisher ausgesonderten Personen gemeint, so will Inklusion die Verschiedenheit im Gemeinsamen anerkennen, d.h., der Individualität und den Bedürfnissen aller Menschen Rechnung tragen. Die Menschen werden in diesem Konzept nicht mehr in Gruppen (z.B. hochbegabt, behindert, anderssprachig…) eingeteilt. Während im Begriff Integration noch ein vorausgegangener gesellschaftlicher Ausschluss mitschwingt, bedeutet Inklusion Mitbestimmung und Mitgestaltung für alle Menschen ohne Ausnahme. Inklusion beinhaltet die Vision einer Gesellschaft, in der alle Mitglieder in allen Bereichen selbstverständlich teilnehmen können und die Bedürfnisse aller Mitglieder ebenso selbstverständlich berücksichtigt werden. Inklusion bedeutet davon auszugehen, dass alle Menschen unterschiedlich sind und dass jede Person mitgestalten und mitbestimmen darf. Es soll nicht darum gehen, bestimmte Gruppen an die Gesellschaft anzupassen.“[4]

Geschichte und Entwicklung

Die Vielfältigkeit der Schülerschaft hat sich im Laufe der Zeit verändert: so werden beispielsweise heute in den meisten Ländern des abendländischen Kulturkreises Mädchen und Jungen in der Regel gemeinsam unterrichtet, was am Anfang des 20. Jahrhunderts keine Selbstverständlichkeit darstellte. Kinder mit geistiger Behinderung können heute zur Schule gehen. Entgegen diesem Trend sind jahrgangsübergreifende Klassen eine Seltenheit geworden. Dafür gibt es vermehrt klassenübergreifende Unterrichtsangebote.

Das Ziel, Homogenität in den Klassen zu erreichen, gilt den Vertretern des Inklusionsansatzes als unerreichbar, als Chancengleichheit verhindernd und als pädagogisch wenig effizient.[5]

In Ländern wie Italien, Norwegen oder Dänemark gibt es seit Jahren nur noch wenige Spezialschulen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Fast 100 Prozent der Kinder mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen gehen in diesen Ländern in eine gemeinsame Schule mit anderen Kindern (wenngleich auch nicht immer in dieselbe Klasse). Neuere Projekte in Deutschland verfolgen ebenfalls sowohl jahrgangsübergreifende wie auch inklusive (im Sinne von Interessenverbänden von und für Menschen mit Behinderungen) Ansätze.[6]

Begriffsgeschichte

Obwohl die Inklusionspädagogik sich erst Anfang der 1990er Jahre etablierte, spielte der Inklusionsbegriff schon früher eine Rolle. Der Gebrauch des Inklusionsbegriffs war zunächst nur sporadisch. So heißt es z. B. 1946

„It is clear that the judicial trend is toward supporting the inclusion of children with handicaps in the school.“[7]

Zumeist ging es bei den frühen Verwendungen, um die Inklusion von bestimmten Lehrinhalten in die Curricula und die Inklusion von Eltern in schulische Prozesse. Außerdem findet sich der Terminus “class inclusion”, den Piaget eingeführt hatte und bei dem es darum geht, ob es psychische Unterschiede zwischen Kindern gibt, denen das Lesen leicht fällt und Kindern, denen das Lesen schwer fällt.

Ab Ende der 1960er Jahre bekam der Begriff Inklusion konzeptionelle Bedeutung im Zusammenhang mit der Entwicklung der so genannten gemeinsamen Schule. [8] [9]

Salamanca-Erklärung

Eine Erklärung mit der Nennung der Inklusion als wichtigstes Ziel der internationalen Bildungspolitik und in der Folge ein erster internationaler Rahmen für deren Umsetzung war das Hauptergebnis der UNESCO-Konferenz, die 1994 in Salamanca stattfand:

„Das Leitprinzip, das diesem Rahmen zugrunde liegt, besagt, dass Schulen alle Kinder, unabhängig von ihren physischen, intellektuellen, sozialen, emotionalen, sprachlichen oder anderen Fähigkeiten aufnehmen sollen. Das soll behinderte und begabte Kinder einschließen, Kinder von entlegenen oder nomadischen Völkern, von sprachlichen, kulturellen oder ethnischen Minoritäten sowie Kinder von anders benachteiligten Randgruppen oder -gebieten.“[10]

UN-Behindertenrechtskonvention

In der 2006 beschlossenen UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten ein inclusive education system zu errichten, in dem der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung der Regelfall ist.
Deutschland, Liechtenstein, Österreich und die Schweiz hatten fast ohne die Beteiligung von Betroffenen und deren Verbänden eine deutsche Übersetzung der Konvention abgestimmt. Alle Bemühungen entsprechender Organisationen in diesen Staaten zur Beseitigung von erkannten groben Fehlern scheiterten. So wurde z. B. der im Original der Konvention verwendete englische Begriff Inclusion irreführend mit Integration übersetzt.
Dies führte zur Erstellung einer so genannten Schattenübersetzung. Unter dem Aspekt, dass entsprechende Wortwahl zur Bewusstseinsbildung beiträgt, wurde eine deutschsprachige Fassung bereitgestellt, die der Originalfassung näher kommt als die offizielle deutsche Übersetzung. Die gemäß der Konvention in allen Phasen der Umsetzung und Überwachung einzubeziehenden Betroffenen mit ihren Organisationen waren an der Erstellung dieser Fassung beteiligt.[11]

1. Weltbericht zur Behinderung

Im Juni 2011 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Weltbank den 1. weltumfassenden Bericht zur Behinderung, World report on disability.[12]
Eine seiner zentralen Forderungen ist es, Inklusion vor allem im Bereich der Bildung in nachhaltige Konzepte einzubetten.[13]

„Bildung sei auch der Schlüssel zum ersten Arbeitsmarkt, so der Bericht weiter, der für Menschen mit Behinderung durch Vorurteile und Ignoranz, mangelnde Bereitstellung von Dienstleistungen sowie berufliche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten jedoch weitgehend verschlossen bliebe.“

aktion-mensch.de, Pressemitteilung, 10. Juni 2011, Inklusion: Der WHO-Bericht hat enorme politische Sprengkraft (10. Juni 2011)

Deutschland

Die Aufnahme von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in allgemeinen Schulen ist in vielen Ländern verbreitet und gesetzlich reguliert; sie setzt sich auch in Deutschland zunehmend durch. Umstritten ist, ob die Inklusion eine Disziplin der Sonderpädagogik ist. Häufig wird sie als ein weiteres Modell für die Integration von Schülern mit Behinderungen in den gemeinsamen Unterricht betrachtet.

Das deutsche Bildungssystem ist im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass Schüler nach Klasse 4 oder Klasse 6 verschiedenen Schulen zugewiesen werden. Schüler werden nach der Grundschule beurteilt und wurden früher eingeteilt in Haupt-, Realschule und Gymnasium. In vielen Ländern Deutschlands gibt es allerdings die Hauptschule als eigenständige Schulform nicht (mehr), und vielerorts besteht die Möglichkeit zum Besuch einer Gesamtschule, wodurch der Selektionsdruck bereits teilweise gemindert wurde.

Schüler, die den Anforderungen der Grundschule bzw. der Hauptschule nicht entsprechen können, werden auch heute noch (je nach Art ihrer „Behinderung“) in eine Sonderschule bzw. Förderschule verwiesen. Vertreter der inklusiven Pädagogik kritisieren diese Praxis. Sie fordern, dass kein Schüler mehr als „andersartig“ angesehen werden dürfe. Eine Klasse bilde eine Einheit vieler unterschiedlicher Schüler, von denen jeder in irgendeinem Bereich förderbedürftig sei. Jeder Schüler sei ein besonderer Fall, und deshalb würden Sonderschulen eigentlich überflüssig. Die Sonderpädagogik müsse der „normalen“ Pädagogik gleichgestellt werden: beide Wissenschaften bildeten eine Einheit. „Eine Schule für alle“ müsse flächendeckend das gegliederte Schulwesen ersetzen; sie müsse jeden individuell fördern und seine Interessen beachten. Die erforderliche Infrastruktur müsse bereitgestellt werden. Dies soll zu mehr Chancengleichheit, Gleichberechtigung und vor allem zu einem hohen Bildungsstandard führen.[14]

Ein Rechtsgutachten des Völkerrechtlers Eibe Riedel kommt Anfang 2010 zu dem Schluss, dass Kinder mit Behinderungen nur in Ausnahmefällen vom Besuch einer Regelschule abgehalten werden dürfen und gesteht ihnen ein Recht auf den Besuch einer allgemeinen wohnortnahen Schule zu.[15]

Nach Auffassung des Deutschen Instituts für Menschenrechte ist durch die Unterschrift der Bundesrepublik Deutschland unter die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit von Staatsorganen, sich auf einen „Ressourcenvorbehalt“ zu berufen, hinfällig geworden: Das Argument, für die Umsetzung des Inklusionsprinzips stehe nicht genug Geld zur Verfügung, dürfe also nicht mehr gegen Antragsteller ins Feld geführt werden.[16] Auch Gymnasien seien verpflichtet, Kinder und Jugendliche mit Behinderungen aufzunehmen.[17]

Praktische Umsetzung

Nach Auffassung der Inklusionsbefürworter kann jeder Schüler jederzeit (ständig oder auch nur vorübergehend) und aus unterschiedlichen Gründen Schwierigkeiten beim Lernen haben; es sei allerdings Aufgabe der Schule und des Lehrpersonals, die entsprechenden Hilfen und Mittel zum Ausgleich bereit zu stellen.[18]. In vielen Fällen könne die Intervention von Sonderpädagogen oder anderer Spezialisten in der direkten Arbeit mit den so genannten normalen Schülern oder als Beratung für die Lehrkräfte für den Regelschulunterricht sinnvoll sein. Aber auch diese Hilfeleistungen zur Befriedigung besonderer Bedürfnisse müssten ohne jegliche Aussonderung stattfinden.

Eine Grundidee der Inklusion ist, dass herkömmliche Pädagogen im Prinzip alle Kinder unterrichten können . Das Schulsystem wird aufgefordert, die Mittel, die es in die „Exklusion“ investiert, für die Inklusion zur Verfügung zu stellen; dies sollte auch Fortbildungsmaßnahmen für die Pädagogen einschließen.

Die Verwirklichung umfassender Inklusion bedeutet zunächst eine tief greifende Reform des Schulsystem: sie setzt nicht nur die Akzeptanz des Anderseins als moralisches Prinzip voraus, sondern auch die mutige Abschaffung der im gegenwärtigen System allgemein vorhandenen Barrieren, welche eine Inklusion erschweren oder unmöglich machen, darunter auch mangelnde, nicht vorhandene oder nicht optimal eingesetzte Ressourcen. Ein mögliches Modell, das in vielen Ländern erfolgreich funktioniert, ist dabei die Gründung von so genannten Ressourcen-Zentren für die Vielfalt. Es handelt sich hierbei um Teams von speziell ausgebildeten Pädagogen, Psychologen, Ergotherapeuten, Logopäden, Heilpädagogen usw., aber auch um spezielle didaktische Materialien, Hilfsmittel, Literatur usw., die als Unterstützung für die Inklusion bereichsweise als zusätzliche Ressourcen für die Schulen zur Verfügung gestellt werden. Dabei gilt aber das Prinzip, dass die Experten zu allen Kindern in ihrer normalen schulischen Umgebung kommen, mit dem Ziel, die Pädagogik zur Bewältigung der (sowieso) vorhandenen Heterogenität zu unterstützen.

Viele Methoden und Konzepte der modernen Pädagogik, wie die Organisation der Schule in altersgemischten Gruppen anstelle der Bildung herkömmlicher Klassen, die Gruppenarbeit an fächerübergreifenden Themen oder neuartige räumliche Gestaltungsmöglichkeiten dienen der Umsetzung des Grundgedankens der Inklusion viel besser als die traditionellen didaktischen Methoden.

Die Inklusion setzt einen gezielten und gewollten Umgang mit der Vielfalt voraus, legt dabei großen Wert auf die Unterschiedlichkeit in der Bildung und verzichtet auf das Prinzip der Homogenität. Deswegen erfordert die inklusive Schule keine bestimmten einzelnen Methoden oder Konzepte für ihre Umsetzung: vielmehr benötigt die Inklusion eine weitgehend flexible, zieldifferenzierte Anwendung unterschiedlicher Unterrichtsmethoden und organisatorischer Vorschläge, um die Bedürfnisse aller Schüler befriedigen zu können.

Eine mögliche Form der Umsetzung wäre beispielsweise die Einrichtung eines „Matheraumes“, eines „Geografieraumes“, eines „Informationsraumes“. In diesen Räumen kann es wiederum verschiedene Bereiche geben: eine „Bücherecke“, eine „Computerecke“, eine „Lese- und Schreibecke“ usw. Die Schüler können ihren Aufenthalt in den Räumen weitgehend selbst planen und bestimmen. Ein fragend-entwickelnder Frontalunterricht, wie er an deutschen Schulen bislang weitgehend üblich ist, findet hier keine Anwendung.

Bei einer solchen Organisation des Lehrplans müssen sich die Schüler den Stoff selbst aneignen, wofür ihnen eine Vielzahl von Medien zur Verfügung gestellt wird. Der Lehrer lehrt dabei nicht mehr, sondern gibt dem Schüler Hilfestellungen und steht für Beratung und Planung zur Verfügung; diese Hilfestellungen sind jeweils an die individuellen Bedürfnisse der Schüler angepasst.

Da Schüler bei diesem System das so genannte selbst erschließende Lernen möglichst frühzeitig erlernen müssen, werden in den Ländern, in welchen die inklusive Pädagogik bereits umgesetzt ist, die besten und fähigsten Pädagogen in den Vor- und Grundschulen eingesetzt.

Kritik

In den USA hat sich das Konzept durchgesetzt, dass jedes Kind am individuell geeignetsten Lernort gebildet werden solle und dass dies auch eine Spezialschule oder -klasse sein könne[19]; darüber hinaus beklagten in amerikanischen Studien gehörlose Schüler und Schüler mit Lernbehinderungen, dass sie an einer gemeinsamen Schule nicht immer gute Erfahrungen machen würden[20][21].

Die Auswirkungen des Besuchs einer gemeinsamen Schule für die einzelnen Schüler sind nur wenig untersucht worden. Studien haben das Ergebnis, dass der schulische Erfolg von Kindern mit Lernbehinderung in einer Spezialschule etwas besser sei[22], Schüler mit emotionalen Schwierigkeiten in der gemeinsamen Schule eine höhere Abbrecherquote hatten[23] und Kinder mit schweren Lernbehinderungen (severe intellectual disabilities, in Deutschland mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung transkribiert) in der gemeinsamen Schule sich besser sozial entwickelten.[24] Schwerhörige Kinder haben in der gemeinsamen Schule etwas bessere Lernerfolge.[25] Den größten Gewinn des Besuchs einer gemeinsamen Schule hätten demnach Kinder mit so genannten leichten Lernschwierigkeiten.[26]

Vor allem Lehrer weisen darauf hin, dass die gemeinsame Schule für nicht behinderte Mitschüler von Nachteil sei, wenn Schüler mit einer so genannten emotionalen Behinderung oder Verhaltensstörung in ihrer Klasse unterrichtet würden.[27]

Der Autor Stefan Kornherr vertritt in dem Buch Inklusion als Utopie der offenen Behindertenarbeit: Wandel von Integration zu Inklusion als Aufgabe des Sozialmanagements die These, dass Inklusion eine realitätsferne Utopie bzw. ein Mythos sei[28], außerdem, dass der Inklusionsbegriff, der in den angloamerikanischen Staaten entwickelt wurde, nicht einfach auf Bildungssysteme anderer Länder übertragen werden könne[29].

Nach Dederich führe der Besuch einer gemeinsamen Schule zu einer stärkeren Betonung der Unterschiede des zu Inkludierenden und mithin zu einer Ausdifferenzierung eines Sonder- und Subsystems. So entstünden in der gemeinsamen Schule Exklusionsbereiche und es komme letztlich nur zu einer Simulation von Inklusion. Solche Systeme – so seine These – strapazierten die zu Inkludierenden mehr und führten zu größerer Exklusionsdrift und Stigmatisierung.[30]

Literatur

Weblinks [Bearbeiten]

Siehe auch

Quellennachweise [Bearbeiten]

  1. Andreas Hinz in: Bleidick u. a (Herausgeber), Handlexikon der Behindertenpädagogik. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2006, S. 97–99
  2. http://www.mbjs.brandenburg.de/sixcms/detail.php/bb1.c.248770.de
  3. Susanne Abram: Die internationale Theoriendiskussion von der Integration zur Inklusion und die Praxisentwicklung in Südtirol. Verlag Freie Universität Bozen, 2003
  4. Walter Krög: Herausforderung Unterstützung. Perspektiven auf dem Weg zur Inklusion. EQUAL – Entwicklungspartnerschaft MIM, 2005
  5. Hans Wocken:Leistung, Intelligenz und Soziallage von Schülern mit Lernbehinderungen. Vergleichende Untersuchungen an Förderschulen in Hamburg. In: Zeitschrift für Heilpädagogik, 51/2000/12, S. 492–503
  6. fr-eineschule.de, freiburger bündnis eine schule für alle: Rahmenkonzeption einer inklusiven staatlichen Modellschule für Freiburg (10. Juni 2011)
  7. National Society for the Study of Education: Yearbook of the National Society for the Study of Education. 45(1946)2, 202
  8. Forman, Edward: The Inclusion of Visually Limited and Blind Children in a Sighted Physical Education Program. Educ Visually Handicapped, 1 (1969) 4, 113 – 115
  9. Adler, Allen: Inclusion and exclusion in the secondary school physical education class. Madison: University of Wisconsin 1972
  10. Salamanca Erklärung
  11. Verein für Menschenrechte und Gleichstellung Behinderter e.V., netzwerk-artikel-3.de: Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen – Schattenübersetzung, Berlin, Januar 2009, Einleitung (7. Januar 2011)
  12. who.int, Disabilities and rehabilitation: World report on disability mit Link zum Volltext (380 Seiten) (10. Juni 2011)
  13. aktion-mensch.de, Pressemitteilung, 10. Juni 2011, Inklusion: Der WHO-Bericht hat enorme politische Sprengkraft (10. Juni 2011)
  14. http://www.eine-schule-fuer-alle.info/debatte/texte/
  15. Unter Schurkenstaaten. In: taz.de, 27. Januar 2010.
  16. Deutsches Institut für Menschenrechte: Stellungnahme der Monitoring-Stelle. Eckpunkte zur Verwirklichung eines inklusiven Bildungssystems (Primarstufe und Sekundarstufen I und II). Empfehlungen an die Länder, die Kultusministerkonferenz (KMK) und den Bund. 31. März 2011. S.13
  17. Deutsches Institut für Menschenrechte: Stellungnahme der Monitoring-Stelle. Eckpunkte zur Verwirklichung eines inklusiven Bildungssystems (Primarstufe und Sekundarstufen I und II). Empfehlungen an die Länder, die Kultusministerkonferenz (KMK) und den Bund. 31. März 2011. S.11
  18. Vgl. UNESCO,Open File on Inclusive Education”
  19. World Health Organization: World Report on Disability. Genf: World Health Organization 2011, 211
  20. S. Foster/G. Emerton: Mainstreaming the Deaf Student: A Blessing or A Course. Journal of Disbility Policy Studies 2(1991), 61 – 76
  21. D. Fuchs/L. S. Fuchs: Sometime Separate is Better (education of learning disabled children). Educational Leadership 54(1994), 22 – 27
  22. World Health Organization: World Report on Disability. Genf: World Health Organization 2011, 211
  23. World Health Organization: World Report on Disability. Genf: World Health Organization 2011, S. 211
  24. World Health Organization: World Report on Disability. Genf: World Health Organization 2011, S. 211
  25. World Health Organization: World Report on Disability. Genf: World Health Organization 2011, S. 211
  26. World Health Organization: World Report on Disability. Genf: World Health Organization 2011, S. 211
  27. A. Kalambouka u. a.: The impact of population inclusivity in schoools on students outcomes. In: Reasearch evidence in education Library. University of London 2005
  28. : Inklusion als Utopie der offenen Behindertenarbeit: Wandel von Integration zu Inklusion als Aufgabe des Sozialmanagements. Noderstedt: Books on Demand 2008, SS. 17 f.
  29. Stefan Kornherr: Inklusion als Utopie der offenen Behindertenarbeit: Wandel von Integration zu Inklusion als Aufgabe des Sozialmanagements. Noderstedt: Books on Demand 2008, S. 21
  30. Ingeborg Hedderich/André Hecker: Belastung und Bewältigung in Integrativen Schulen. Klinkhardt 2009, 39 f.
  31. Klaus Metzger Erich Weigl (Hrsg.): Inklusion – eine Schule für alle. Cornelsen, 2010, ISBN 978-3-589-05164-9 (http://www.cornelsen.de/cv_presse/1.c.2138235.de?hasjs=1283765609&submittedByForm=1&gsid=1.c.1726421.de&id=2123305, abgerufen am 6. September 2010)
  32. ( Quelle: Wikipedia)

 

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